Schmerz – das Leid eines jeden

Der Schmerz ist der große Lehrer der Menschen. Unter seinem Hauche entfalten sich die Seelen. – Marie von Ebner-Eschenbach

Schmerz gehört zu einer der unangenehmsten Gefühle und Wahrnehmungen. Jeder Mensch hat „Schmerz“ schon einmal miterlebt und musste einmal da durch. Doch willst du deinen Protagonisten ebenfalls das gleiche durchmachen lassen und weißt nicht genau wie du gerade das in Angriff nehmen sollst? Dann bist du hier richtig, denn hier erfährst du wie du deinen Charakter Schmerz zufügst und ihn „perfekt“ leiden lässt.

Das erwartet dich in diesem Artikel:

  1. Was genau ist Schmerz?
  2. Was ist dein Ziel? (+Beispiel)
  3. Wie komme ich zu diesem Ergebnis?
  4. Physischer Schmerz
  5. Psychischer Schmerz
  6. Die Schmerzskala deines Charakters
  7. Doch Vorsicht ist geboten
  8. Ein Extra (Checkliste)

1. Was genau ist Schmerz?

Schmerz ist eine Sinneswahrnehmung, die als akutes Geschehen den Charakter eines Warn- und Leitsignals aufweist und in der Intensität von unangenehm bis unerträglich reichen kann.

2. Was ist dein Ziel?

Dein Ziel ist es, dass deine Leser den Schmerz deines Charakters nachvollziehen können und vor allem auch wissen, wie sehr er sich dadurch quält und wie schlecht es ihm geht. Sie müssen wissen was er durchmacht. Der Leser muss sich förmlich in den Protagonisten hineinversetzten können.

Hier zwei Bespiele:

Beispiel 1: Er hatte endlich von ihr abgelassen und war verschwunden. Ihre Rippe schmerzte ihr, von der ganzen Prügel, die er wieder einmal an ihr ausließ.

Betrachte das erste Beispiel und analysiere das was da gerade beschrieben ist. Es ist kurz sachlich und verständlich. Es ist nicht unbedingt schlimm, genauso zu schreiben. Viele große Autoren haben in ihrem eigenen Stil diese Genauigkeit und diese Sachlichkeit. Doch gibt es auch Autoren, die gerade so schreiben:

Beispiel 2: Er hatte endlich von ihr abgelassen und war verschwunden. Sie wollte sich gerade aufrichten, als sie ein schreckliches stechen in ihrem Brustkorb vernahm und wieder auf die Knie sank. Ein schlimmes brennen, welches sich bei jedem Atemzug anfühlte wie Messerhiebe. Es brannte wie Lava unter ihrer Haut. Ihr wurde ganz übel, doch ärgerte sie sich darüber wie dumm sie wieder war und ihm vertraut hatte. Das hatte sie nun davon.

Schau dir die beiden Beispiele an und entschiede für dich selbst, was gut ist. Der eine bevorzugt das kurze und sachliche beschreiben. Dieses ganze drum herum gibt es nicht. Manch einer bevorzugt das zweite Beispiel. Die Ausschmückungen, die Gefühle, die Gedanken, den Schmerz den man vielleicht sogar nachempfinden kann. Entscheide dich für Beispiel 1 oder 2. Wenn du für Beispiel 2 bist dann solltest du die nächsten Punkte definitiv lesen.

3. Wie komme ich zu diesem Ergebnis?

Zu dieser Beschreibung von Schmerz kommt man ganz einfach dann, wenn du ganz genau weißt was du willst.

Bevor du deshalb anfängst gleich weiter zu lesen und vor allem dich dann auch daran machst selbst etwas zu schreiben solltest du dir ein paar Gedanken diesbezüglich machen.

Beantworte diese Fragen zuerst einmal für dich selbst:

  • Warum willst du deinem Charakter Leid zu fügen?
  • Ist sein Schmerz in dieser Szene berechtigt?
  • Welche Art von Schmerz verspürt dein Charakter? (Physisch oder psychisch)
  • Passt die Art von Schmerz die du gewählt hast du deiner Szene?
  • Warum schreibst du diese „Schmerz Szene“ ausgerechnet jetzt? Bringt sie deine Geschichte weiter oder ist sie nur ein Lückenfüller?

Wenn du dir alle diese Fragen selbst beantwortet hast und genau weißt was du willst, dann kann es weiter gehen.

4. Physischer Schmerz

Bei physischem Schmerz musst du, wenn du es nicht selbst weißt, recherchieren was für eine Art von Schmerz man spürt bei einer Verletzung. Bei einem Bruch, einer Rippenverletzung, einer Kugel in der Schulter oder wenn man sich in die Hand schneidet. Du musst diesen körperlichen Schmerz umschreiben mit den passenden Adjektiven, wofür man gut Metapher verwenden kann. Doch auch bei Metaphern solltest du darauf achten, dass diese wirklich passen und gut gewählt sind. Und ob eine Metapher in dieser Beschreibung überhaupt von Nöten ist. In einigen Situationen sind sie sogar sehr unpassend.

Du musst den Schmerz so realistisch wie möglich machen und deinen Leser davon überzeugen können, genau diesen Schmerz eventuell auch spüren zu können. Zudem musst du auch Gefühle miteinfließen lassen wie ärger, dass man von einer Kugel erwischt wurde, Enttäuschung dass man verprügelt wurde oder auch Trauer. All das muss ein authentisches Bild abgeben.

Beispiel Adjektive: brennen, schneidend, glühend, hell, dumpf, klopfend, pochend…

Beispiel Metapher: Der brennende Schmerz kroch wie Lava mein komplettes Bein hoch…

Beispiel Gefühle: Ärger, Trauer, Wut…

5. Psychischer Schmerz

Wenn dein Schmerz ein psychischer Schmerz ist dann ist man auf einem anderen Level. Denn physischer Schmerz  ist die Art von Schmerz die nicht jeder zusehen bekommt und oft nicht jeder nachvollziehen kann. Deshalb musst du bei dieser Art von Schmerz feststellen, um was es sich genau handelt oder um wen es sich genau handelt. Wenn es Liebeskummer ist, dann bricht einem die Welt zusammen, alles wirkt ausweglos und man denkt man kann nie wieder lieben – ganz kitschig und übertrieben dargestellt. Aber so muss es rüberkommen. Lasse auch äußerliche Faktoren einfließen, wie zum Beispiel: die Sonne schien, doch trotzdem sah ich alles schwarz-weiß, nichts war mehr so wie vorher. Du kannst auch gut mit dem Aussehen deines Charakters spielen, indem du dann schreibst: Ich blicke in den Spiegel. Die braunen und fettigen Haare hatte ich in einen Zopf gebunden, die Augen waren rot vom ganzen weinen und tiefe Augenringe warfen Schatten auf meine weiße Haut. Auch Empfindungen wie das brennen der Augen nach langem weinen solltest du unbedingt mit einbauen.

Tipp: Wenn du es noch dramatischer machen willst, dann baue Orte ein in denen dein Charakter da war. Erinnerungen und Flashbacks bringen das Ganze noch einmal auf ein ganz anderes Level des Schmerzes und Trauer.

6. Die Schmerzenskala deines Charakters

Wenn es um Schmerz geht empfindet jeder ihn anders. Der eine würde auf einer Schmerzskala von 1 – 10 eine 5 geben ein anderer eine 9. Deshalb ist es ganz wichtig, dass du auch hier unterscheidest zwischen einem mentalen starken Charakter und einem mentalen schwachen Charakter. Nicht jeder Charakter reagiert gleich. Zudem solltest du darauf achten das die Reaktion deines Charakters zu ihm passt. Wenn er mental Stark ist würde es nicht passen das er bei einer kleinen Schnittwunde sofort anfängt zu schreien und zu weinen wie ein Baby. Deshalb: Mentale Stärke = Reaktion

7. Doch Vorsicht ist geboten

Du solltest jedoch bei all dem was ich gerade genannt habe darauf achten, dass du ein einheitliches und authentisches Bild schaffst. Heißt:

  • Adjektive (= achte darauf das sich bei deiner Beschreibung deine Adjektive nicht ständig wiederholen, denn das führt dazu das der Leser irgendwann keine Lust mehr hat überhaupt weiterzulesen und deine Szene verliert einfach das gewisse etwas.)
  • Metaphern (= Wenn du nicht gut bist was Metaphern angeht, solltest du sie auch nicht mit in deine Szene schreiben, denn das macht wirklich alles kaputt, wenn deine Szene wirklich gut aufgebaut ist und dann eine unpassende Metapher eingebaut wird. Deswegen benutzte eine Metapher nur dann, wenn sie wirklich zu 100% in deine Szene reinpasst und vor allem wenn sie auch wirklich nötig ist.)
  • Erinnerungen und Flashbacks (= Erinnerungen und Flashbacks können einer Szene in der es zum Beispiel um den Tod seiner Geliebten geht, wirklich das gewisse etwas liefern. Doch sollte man darauf achten, dass die Erinnerungen und Flashbacks zu der Geschichte passen und vor allem sich auch in der richtigen Zeit abspielen. Es sollte einen Zusammenhang entstehen.)
  • Authentisches / Unreales Schreiben (= achte darauf das, wenn du deine „Schmerz Szene“ schreibst es auch wirklich real vorkommt. Das all die Details, die du da aufzählst, einen Zusammenhang haben. Es muss wie ein gut geöltes Uhrenlaufwerk funktionieren. Und vor allem muss diese Szene in deine Geschichte passen. Wenn du eine Liebesgeschichte schreibest und da dann irgendwann Details aus einer Fantasie Welt mit einbaust, ist das vollkommen unpassend.)

+ Ein Extra (Checkliste)

Wenn du dir den Artikel komplett durchgelesen hast und du hier gelandet bist und nun bereit bist deine eigene „Schmerz Szene“ zu schreiben, dann kannst du dich gerne an dieser Checkliste orientieren, die alles Wichtige noch einmal zusammenfasst. Die gibt es auch hier zum Ausdrucken.

 Erledigt
Bevor du anfängst zu schreiben beantwortet diese Fragen: Warum willst du deinem Charakter Leid zu fügen?Ist sein Schmerz in dieser Szene berechtigt?Welche Art von Schmerz verspürt dein Charakter? (Physisch oder psychisch)Passt die Art von Schmerz die du gewählt hast du deiner Szene?Warum schreibst du diese „Schmerz Szene“ ausgerechnet jetzt? Bringt sie deine Geschichte weiter oder ist sie nur ein Lückenfüller? 
Dir muss der Unterschied zwischen Psychischen Schmerz und Physischer Schmerz klar sein 
Physischer Schmerz Recherche bei wenig KenntnisVerwendung von den passenden AdjektivenMetaphern gut bedacht auswählen Gefühle mit einfließen lassen und Gedanken 
Psychischer schmerz stelle klar um was für eine Art psychischen Schmerz es sich handelt (Liebeskummer, Depressionen…)Verwendung von AdjektivenStelle Bezug zu äußeren Faktoren (orten, Gegenständen etc.)Metaphern gut bedacht wählen Gefühle können ebenfalls verwendet werdenFlashbacks / Erinnerungen können auch mit eingebaut werden 
SCHREIBPROZESS 
Kontrolliere jetzt bitte: Lese alles noch einmal gründlich durchIst die Reaktion auf den Schmerz die richtige? Haben Gefühle / Adjektive / Metaphern / Orte / Gegenstände / Flashbacks / etc. die richtige Verwendung?Gibt es Adjektive, die sich ständig wiederholen? Passt deine Metapher in dem Zusammenhang?Stimmt die Formel: Mentale Stärke = Reaktion 
Wie verfährst du nun weiter? 

Hat dir der Beitrag gefallen und dir weitergeholfen? Dann lasse es mich gerne in den Kommentaren wissen.

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